Management, was mache ich hier, was wollen die von mir? - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Management, was mache ich hier, was wollen die von mir?

Management, was mache ich hier, was wollen die von mir?

Mir war bis vor drei oder vier Jahren überhaupt nicht bewusst, dass man jemandem den Begriff Management erklären müsste. Als mir durch Zufall plus Wikipedia klar wurde, dass ich selber keine gute, einfache und wirklich persönliche Erklärung parat hatte, ist mir etwas klar geworden und es hat sich etwas für meine Arbeit verändert. Bis dahin habe ich immer viele Sätze zur Erklärung verwand, um zu erklären, was ich als Manager im Unternehmen mache. Zufrieden war ich mit meinen viel zu detaillierten Erklärungen nicht, weil sie nicht den Punkt trafen.

Was ich gelesen habe, klingt mir zu theoretisch oder abgedroschen. Weil ich weiß was Management im wahren Leben bedeutet, überfliege eher den x-ten Artikel darüber. Das neueste Buch eines Managementgurus kaufe ich schon lange nicht mehr. Ich will nicht mehr die 5 erfolgreichsten …, die 10 wichtigsten oder die 20 entscheidenden Tipps für Manager lesen. Ich finde, dass sich diese Bücher in Endlosschleifen wiederholen. Ich kann dieser Literatur nichts mehr abgewinnen, genauso wie den vielen Lehrbüchern, die nur versuchen theoretisch wiederzugeben, was man sowieso erleben muss. Nach dem Lesen vieler Lehrbücher stellt sich die Frage. „…und wie mache ich das jetzt praktisch?“ Anders herum wird den alten Hasen die Frage gestellt: was machst Du da eigentlich? Und niemand erwartet dann einen blutleeren Lehrtext sondern: „bring es einmal auf de Punkt!“.

Für einen Vortrag nutze ich häufig als Einleitung Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme oder Übersetzungen. Für einen Vortrag habe ich eines der am häufigsten von mir verwendeten Wörter Management bei Wikipedia nachgeschlagen:

englisch: manage ‚handhaben, [mit etwas] zurechtkommen…

italienisch: maneggiare, an der Hand führen‘,

lateinisch: manus agere, an der Hand führen oder mansionem agere‚ das Haus (für den Eigentümer) bestellen.

Mir hat noch keine andere Erklärung zu einem Begriff bei Wikipedia so gut gefallen wie diese. Zum ersten Teil füge ich hinzu, dass es doch darum gehen wird mit allem zu recht zu kommen, was sich mir in den Weg stellt und unausweichlich ist. Also bedeutet Management eben nicht auszuweichen, abzuwarten, zu verschieben oder etwas hinzunehmen. Andere Menschen an die Hand zu nehmen, um mit ihnen gemeinsam etwas zu verändern, verspricht erfolgreich zu sein. Beides ist einfach gut beschrieben ohne nur zu simplifizieren, einfach genial, nicht dumm einfach.

...nicht reden, MACHEN! und zeigen wie es geht!

…nicht reden, MACHEN! und zeigen wie es geht!

Bezogen auf die Herkunft des Begriffs Management, war für mich klar, ich vertrödele keine Zeit mehr mit anderen Erklärungen, Tipps oder Tricks, sondern strenge mich an, um diese beiden Dinge in die Tat umzusetzen: mit allem zurecht zu kommen und Menschen an die Hand zu nehmen, „um das Haus zu bestellen“. Hinter diesen beiden Aussagen steht die Frage, habe ich das Beste gegeben, um einer Sache zu begegnen und gebe ich anderen die Aufforderung zu helfen, um einer gemeinsamen Sache zu dienen. Beides gilt sowohl für die tägliche Unternehmensführung, die Projektarbeit oder in außergewöhnlichen Unternehmenssituationen. Allen Aktivitäten lägen dann zwei tief greifende Ideale beziehungsweise einige Tugenden wie Fleiß, Geduld, Besonnenheit zugrunde, und diese haben die Menschen schon immer zu außergewöhnlichen Leistungen angespornt. Ich gebe zu, dass damit die Ansprüche an das Management sehr hoch sind. Andererseits ist die Verantwortung sehr hoch und die Gehälter und Honorare sind es in der Regel auch.

Was bedeutet Management auf der Grundlage der Definitionen von „zurecht kommen“ und „ an die Hand nehmen“? Ich habe gerade eine Sanierungsaufgabe und die Leitung für die Bereiche Finanzen, Einkauf und Personal übernommen. Als Interimsmanager muss ich schnell im Thema sein, die nötigsten Dinge sofort umsetzen und einige strategische Projekte einleiten. Die Sofortmaßnahmen sind nötig um wieder ausreichende Liquidität zur Verfügung zu haben. Die strategischen und organisatorischen Veränderungen müssen so schnell wie möglich ihre Wirkung entfalten um Vertrauen bei Mitarbeitern, Gesellschaftern und Gläubigern zu bekomme. Ich habe mich jetzt am Anfang des Projektes gefragt:

„Was mache ich hier, was wollen die von mir?“

Vorher ist man dort Entscheidungen ausgewichen und notwendige Maßnahmen wurden nicht eingeleitet bzw. nicht final umgesetzt. Inhaber, Geschäftsführer und Manager sind Ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen, warum ist nicht entscheidend. Die Antwort auf die zweiteilige Frage lautet: Nur das tun, was andere nicht tun wollten, konnten oder durften.

Ich nehme den Verantwortlichen etwas ab, wahrscheinlich ist es auch eine Last, von der ich sie befreien kann. Es wird in diesem Projekt wieder nicht einfach, Dinge zu erledigen, die unangenehm sind, die Ängste auslösen und erst einmal Geld kosten. Man wird deren Notwendigkeit erkennen und den Nutzen in einiger Zeit feststellen, aber man hatte bis jetzt nicht die Kraft sie zu tun. Ich mache das dann, weil andere es nicht tun, für mich ist das eine Pflicht. Ich tue es mit Aufrichtigkeit, Fairness, Respekt, und Anstand, deshalb komme ich damit zurecht. Natürlich werden dann auch wieder unangenehme Gespräche mit Personal, Gläubigern und mit den Inhabern geführt. Ganz ehrlich, ich freue mich darauf weil ich es machen darf und es nützlich ist.

Bis jetzt hat mir noch nie jemand gesagt was ich genau tun soll, ich meine im Detail. Klar ist, dass ich ein Unternehmen reorganisieren oder sanieren soll. Die Methode gibt auch dieses mal niemand vor. Mein jetziger Auftraggeber, der schon viel zu viel in seinem Leben gearbeitet hat, jetzt müde wirkt und nicht mehr viele Worte sucht, um etwas zu beschreiben sagte: machen Sie es ordentlich, fair und einfach gut fertig. Was er mit ordentlich und fair meint ist mir klar. Mit einfach gut fertig will er sagen, es sollte irgendwann alles erledigt sein, um wieder glücklich und zufrieden sein zu können.

... und das Notwendige tun

… und das Notwendige tun

Ich kann es ich nicht alleine schaffen. In einem der vorherigen Beiträge habe ich beschrieben, dass ab dem Zeitpunkt, wenn offen über alles gesprochen wird, im Unternehmen kaum neue Erkenntnisse gewahr werden. Sobald ich also mit meiner Arbeit begonnen habe, wie vor einigen Tagen in diesem Projekt, wird offen gesprochen. Den Unrat hat jeder vor Augen, ich kann nur Teile sehen. Innerhalb des Unternehmens blicken viele hinter die Fassaden, ich sehe noch nicht alles. Nicht jeder der Mitarbeiter sieht alles, aber jeder mindestens einen Teil in seinem Umfeld. Mit allen gemeinsam habe ich die Chance in kurzer Zeit sehr viel zu erreichen. Der Erfolg des Projektes hängt davon ab, wie ich das Projekt führe. Nach meiner ersten Gesprächsrunde mit Inhabern, Management und Schlüsselmitarbeitern liegt schnell ein Maßnahmenplan vor, zu dem von mir kaum etwas hinzugefügt werden muss. Der Unrat ist bekannt, wie man ihn wegräumt kann man sich vorstellen. Häufig sind über Jahre viele gute Ideen im Management und in der Belegschaft entstanden, um das Unternehmen wieder auf einen guten Kurs zu bringen.

Ich nehme die fähigen, engagierten und vertrauenswürdigen Mitarbeiter an die Hand, in ein Führungsteam, und lasse sie tun, was sie schon lange tun wollten. Was die meisten Mitarbeiter wollen ist klar, sie wollen etwas verändern. Dazu leite ich sie an, erkläre ihnen Zusammenhänge, mache Vorschläge, motiviere und moderiere überall wo es nötig ist.

Mich hat jemand einmal als Heilpraktiker für Unternehmen bezeichnet und die Gründe dafür lägen darin, dass ich einen „Patienten“ diagnostiziere, etwas Krankes heile und dabei nicht gleich das Messer ansetze. Diese Person spielte auf meine Arbeit im Bereich der Unternehmenssanierung an. Ich habe damals nachgefragt, warum die Bezeichnung Heilpraktiker passender wäre als Arzt. Die Antwort war: „Du nimmst Dir mehr Zeit, verschreibst keine Patentrezepte und schneidest nicht nur das kranke Fleisch weg. Du nimmst dir alle notwendigen Dinge vor, nichts bleibt unerledigt. Aber das Wichtigste ist, dass alle daran mitarbeiten, wenn sie das wollen und können. Wenn sie es noch nicht können, dann zeigst Du es Ihnen.

Was mache ich hier? Nicht ausweichen, nichts liegen lassen, alles erledigen.

Was wollen die von mir? Ihnen helfen, um endlich das Notwendige tun zu können: Nicht ausweichen, nichts liegen lassen, alles erledigen.