Was tun, wenn niemanden die Unternehmensnachfolge antreten will? - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Was tun, wenn niemanden die Unternehmensnachfolge antreten will?

Was tun, wenn niemanden die Unternehmensnachfolge antreten will?

Bis 2015 wurden knapp 10%  der Unternehmen bei denen ein Generationswechsel anstand, liquidiert oder über eine Insolvenz abgewickelt. Diese Zahl nimmt bereits heute zu und wird in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Der wesentliche Grund dafür liegt in den Veränderungen durch die Digitalisierung in allen Branchen. Die Folgen der Disruption, besonders in den Bereichen des Handels und der Vermittlung von Geschäften wie Versicherungen, Immobilien und Ähnlichem, verschaffen vielen gerade noch funktionierenden Unternehmen keine positiven Perspektiven.

Eine große Anzahl an Unternehmern schätzt die Chancen und damit den Wert für die Übertragung falsch ein. In zahlreichen Familienunternehmen werden zwischen den Generationen heftige Diskussion über die Zukunft ihrer Unternehmen geführt. Nicht selten lehnen Kinder die Unternehmensnachfolge ab, weil notwendige Veränderungen infolge der sich veränderten Rahmenbedingungen nicht angegangen wurden.

Wenn es soweit gekommen ist, dass bereits innerhalb der Familie die Chancen für die Fortführung kritisch gesehen werden, ist es in der Regel auch für ein MBO oder eine Unternehmensveräußerung zu spät. Dazu kommt, dass bereits heute mehr mittelgut oder schlecht laufende Unternehmen zum Verkauf stehen, als es Kaufinteressenten gibt. Wir gehen in bestimmten Branchen von bis zu einer Verdopplung der Unternehmensliquidationen und Insolvenzen aufgrund fehlender Perspektiven für ein geordnete Unternehmensnachfolge aus.

Das eigentliche Problem ist, dass notwendige Entscheidungen nicht getroffen wurden und dieses Verhalten oft andauert bis eine schwere Krankheit, der Tod oder eine offensichtliche Unternehmenskrise zur Insolvenz führt.

Der einzige Schritt, um das Schlimmste zu verhindern und zu vermeiden, nämlich dass am Ende ein Lebenswerk mit großem Leid und dem Verlust des letzten verbliebenen Vermögens bezahlt wird, ist der offene Umgang mit dem Thema. Dazu gehört die ungeschönte Beurteilung der Situation bis hin zu einem konstanten Maßnahmenplan der mindestens folgende Fragen beantworten sollte:

  • Welche Erwartungen haben die Gesellschafter und was ist realistisch?
  • Wie lange lässt sich das Unternehmen fortführen ohne frisches Kapital zuführen zu müssen, bzw. die Zahlungsunfähigkiet oder Überschuldung  eintritt?
  • Wurden alle Alternativen zur Unternehmensnachfolge professionell untersucht?
  • Gibt es Möglichkeiten von Teilveräußerungen?
  • Wurde mit Wettbewerbern über die Verwertung gesprochen?
  • Welche Risiken ergeben sich aus Liquidation oder Insolvenz? (Leichen im Keller?)
  • Ist der Lebensunterhalt für die Gesellschafterfamilie nach der Liquidation / Insolvenz gesichert?
  • Existiert ein Maßnahmenplan zu Unternehmensliquidation und wird dieser konsequent abgearbeitet?
  • Wer begleitet den Prozess in betriebswirtschaftlicher, juristischer und familiärer/persönlicher Hinsicht?

Wir haben einige Unternehmerfamilien kennen gelernt, bei denen in der letzten Sekunde – oft initiiert durch deren Hausbank – diese Fragen beantwortet wurden und ein Maßnahmenplan abgearbeitet wurde. Die allermeisten Mitglieder der betroffenen Familienunternehmen waren nachher froh darüber, dass Sie auch die letzte Phase ihres Unternehmens in Ihrer Regie hatten und dies nicht einem Insolvenzverwalter überlassen mussten. Entscheidend ist doch bis zuletzt gestalten zu können und sich am Ende im Spiegel ansehen zu können.