GENERATIONSWECHSEL, ist die Kronprinzenregelung die beste? - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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GENERATIONSWECHSEL, ist die Kronprinzenregelung die beste?

GENERATIONSWECHSEL, ist die Kronprinzenregelung die beste?

Das Problem der Nachfolgeregelung in mittelständischen Familienunternehmen gestaltet sich zusehends komplexer und muss unter vielen Gesichtspunkten durchleuchtet bzw. analysiert werden. Im Normalfall sollte eine Unternehmensnachfolge sorgfältig geplant und detailliert vorbereitet werden, damit der potenzielle Nachfolger, aber auch der Senior keinen Schiffbruch erleiden.

Eine willkürliche Regelung aufgrund der Kronprinzenhierarchie wie es in vielen Familienunternehmen praktiziert wird, darf heute nicht mehr das Maß der Entscheidung sein. Dies ist zu oft aus dem Ruder gelaufen und wird uns ganz anschaulich in Thomas Manns Roman „Die Buddenbrooks – Verfall einer Familie“ (1901, sein wohl berühmtestes Werk, das jedem Senior als abschreckendes  Negativbeispiel bekannt sein sollte) aufgezeigt. Ein weiteres Problem ist eine viel zu späte Übergabe oder eine Übertragung an den Junior/Nachfolger in Teilschritten. Hier verweise ich exemplarisch auf den Fall der Familie Schlecker, der ja zur Vernichtung eines Lebenswerkes geführt hat.

Bei über 3,5 Millionen familiengeführten klein- und mittelständischen Unternehmen in Deutschland kann nicht jeder Unternehmer einen Nachfolger in der eigenen Familie finden! Nachfolger werden heute nicht mehr automatisch geboren, aber sie liegen auch nicht einfach auf der Straße. Hierüber sollte sich jeder Senior frei von Gefühlen, ob positiv oder negativ, im Klaren sein. Für eine gute und geeignete Nachfolge muss der Senior einen gut vorbereiteten Prozess absolvieren, der allen einschließlich der Mitarbeiter, der Kunden und Lieferanten sowie ggf. der Banken gerecht wird und vor allem die Familie glücklich macht. Das Ziel muss klar sein, der Kurs für den Wechsel und die Veränderung muss gehalten werden, sonst erleidet das Unternehmen den angesprochenen Schiffbruch. Allerdings darf auch hier mein persönliches Lebensmotto: „Es gibt immer einen Plan B“ zum Tragen kommen. Denn auch in der Nachfolgeregelung kann es trotz bester Vorbereitung zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen. Wenn in der offen Aussprache beispielsweise herauskommt, dass der Kronprinz ganz andere Pläne hat. In vielen Unternehmen machen familienfremde Manager sehr gute Arbeit.

Das heißt nichts anderes als dass alle Beteiligten bereit sein müssen im Bedarfsfall eine gewisse Flexibilität aufzuweisen. Die sollte auf keinen Fall darin bestehen, dass der Familienunternehmer sich dann doch für unverzichtbar hält und beim ersten Problem wieder an seinen Schreibtisch zurückkehrt. Der entscheidende Schritt ist hier zu verinnerlichen, dass der Senior dem Junior einige Jahrzehnte voraus ist und erfahrender ist. Demgegenüber bringt die jüngere Generation oft die wichtigen Impulse für fällige Veränderungen.

Jedes Familienunternehmen ist anders, deshalb gibt es auch bei der Nachfolgeregelung ganz individuelle Konzepte und Möglichkeiten, kein Stein gleicht exakt dem anderen, somit gibt es nicht die eine Lösung der Nachfolgeregelung. Was allerdings bei jedem Generationswechsel unabdingbare Voraussetzung sein muss, ist die Bereitschaft des Seniors abzugeben und sich ein Leben „danach“, sei es mit Partnerin oder Hobby, vorzustellen. Wenn diese Bereitschaft ernsthaft vorliegt, wird sich ein Generationswechsel vollziehen lassen, trotz mannigfaltiger Ängste und Probleme. Denn es gibt keine wirklichen Probleme, es gibt nur Lösungen und diese können mithilfe der Führungskräfte innerhalb des Unternehmens sowie außenstehender Berater gelöst werden. Der Startpunkt eines Generationswechsel ist die offene Aussprache in der Unternehmerfamilie über die Vorstellungen, Wünsche und  Sorgen aller.

Ihr wisst natürlich, dass alles genauso auf Seniorinnen bzw. Nachfolgerinnen zutrifft. Ich mache mir als Frau nicht die Mühe, dies immer wieder explizit zu erwähnen. Danke für euer Verständnis.

Susanne Habicht 2017