Generationswechsel im Familienunternehmen, nur die Starken schaffen das - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Generationswechsel im Familienunternehmen, nur die Starken schaffen das

Darüber spricht man nicht.

Wenn ein vierundsiebzigjähriger* Familienunternehmer** Ihnen sagt, er würde sich mit seinem achtundvierzigjährigen* Nachfolger** in einer gleitenden Übergabe befinden, dann wird dieser Prozess mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Tod einer der beiden abgeschlossen werden.

Momentan sind mehr als 1,6 Millionen mittelständische Inhaber älter als 55 Jahre und müssen sich daher schon bald mit der Nachfolgefrage auseinandersetzen. Laut der jährlich durchgeführten KfW Mittelstandsstudie streben rund 600.000 Unternehmenschefs allein bis 2018 die Übergabe an die nächste Generation an. Familieninterne Lösungen sind dabei der bevorzugte Weg, lassen sich jedoch nicht immer umsetzen. Was machen die anderen 1,0 Mio. Unternehmer?

Von den tatsächlichen 110.000 Unternehmensnachfolgen p.a. in Deutschland erfolgen etwa 20% aufgrund von Krankheit und Tod. Bei mindestes 15% aller Unternehmen führen ungeklärte Regelungen zur Liquidation oder Insolvenz. Nach unserer und der Erfahrung vieler Kundenbetreuer von Finanzinstituten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sind mindestens 50% der Familienunternehmen mit einem Umsatz größer 10,0 Mio. € nicht angemessen auf die Nachfolge innerhalb der Familie, mit externen Nachfolgern oder auf den Verkauf vorbereitet.

Warum schaffen die einen den Generationswechsel im Familienunternehmen besser als die anderen? Familienunternehmen haben einen ganz großen Vorteil und einen ganz großen Nachteil, beides ist nämlich die Unternehmerfamilie. Eine Familie in Frieden ist das Beste, was eine Firma haben kann. Eine Familien in Unfrieden, ist das Schlimmste, für alle die mit dem Unternehmen zu tun haben. Bei den meisten Unternehmen führen die Konflikte innerhalb der Unternehmerfamilien zu negativen Entwicklungen, finanziellen Verlusten, schlechterer Außenwirkung und Verunsicherung bei Mitarbeitern.

Der verständliche Wunsch nach der Erhaltung der Einheit von Eigentum und Führung sowie die für Familienunternehmen typische enge Beziehung zwischen Eigner und Unternehmen sind die Gründe dafür, warum dieser Führungswechsel zu einer der schwierigsten Führungsaufgaben wird. Nicht selten führt die Vernachlässigung einer umfassenden Planung und Regelung zu einer ernsten Gefährdung der Unternehmenskontinuität und Belastung innerfamiliärer Beziehungen. Bei der praktischen Auseinandersetzung mit der Planung und Gestaltung des Führungswechsels dominieren zumeist juristische und steuerrechtliche Fragen, die zweifelsohne für die Unternehmenssicherung von großer Bedeutung sind. Fast immer sind es persönliche und psychologische Faktoren, die die Gestaltung und das Gelingen des Führungswechsels entscheidend beeinflussen, darüber spricht man eher nicht.

Die Starken sind überlegen.

Die, die den Generationswechsel gut oder ohne allzu große Problem schaffen, nenne ich die Starken, die anderen sind die Schwachen. Die Starken gehen professionell mit dem Thema um. Sie ziehen die Konsequenzen aus den biologischen Gegebenheiten frühzeitig und halten sich nicht für Übermenschen, die unersetzlich sind. Die Beurteilung der Eignung von Familienmitgliedern erfolgt realistisch. Ein familienfremdes Management oder der Unternehmensverkauf wird sachgerecht abgewogen. Sie definieren sich nicht nur über die Arbeit in der Firma. Sie leiden nicht unter dem Machtentzug. Sie reden offen über Ihre Stärken, Schwächen, Sorgen und Ängste und das Ende ihrer Zeit im Unternehmen. Sie habe bereits lange vor der Übergabe ein wirkliches Hobby oder einen anderen Lebensschwerpunkt neben der Arbeit.

Bei den starken Unternehmern, die erfolgreich an den Nachfolger abgeben, spielt eine intensive und glückliche Partnerbeziehung eine entscheidende Rolle im Leben. Sie wissen, dass bleibende und schwelende Familienkonflikte und Dynamiken über kurz oder lang zu schweren Konflikten führen und dass über 80% bereits erfolgter Nachfolgeregelungen noch Jahre später an ungeklärten emotionalen Konflikten in der Familie scheitern. Deshalb haben sie einen erfahrenen Berater, Manager und Mediator an Ihrer Seite, der gemeinsam mit der Familie Konflikte aufarbeitet und sie bei allen Veränderungen sowie beim Nachfolgecoaching unterstützt.

Die starke abgebende Generation legt gemeinsam mit der übernehmenden Generation die Rollen im Unternehmen fest. Der Rückzug ist überschaubar terminiert. Sie übertragen sehr früh bestimmte Verantwortungsbereiche auf andere Führungskräfte oder die Nachfolger. Die Vereinbarungen, die Sie weitestgehend einvernehmlich mit allen treffen, haben Bestand. Für die starken Unternehmer gehört die Übertragung auf die nächste Generation zu ihrem Lebenswerk. Sie wissen, dass die nächste Generation es noch besser machen kann. Sie erkennen wann ihre Mission abgeschlossen sein muss.

Der Generationswechsel im Unternehmen ist unausweichlich. Die Schwachen sind im hohem Alter immer noch alleine an der Spitze des Unternehmens, sie wissen es besser. Besser wird es aber nicht.

*Bei Unternehmern und Nachfolgern handelt es sich selbstverständlich nicht nur um die männliche Variante.

**Ähnlichkeiten mit bekannten Personen und Situationen sind rein zufällig.