Familienunternehmen in der Krise, wenn die Auftraggeber das Problem sind. - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Familienunternehmen in der Krise, wenn die Auftraggeber das Problem sind.

Familienunternehmen in der Krise, wenn die Auftraggeber das Problem sind.

Kennt Ihr das auch: Man verstrickt Sich in Widersprüche, weil Ihr Euch nicht traut zu sagen, was ihr wirklich denkt. Da ruft Dich eine ehemalige Kundin an und fragt Dich nach drei Minuten Geplänkel, ob man sich nicht einmal wieder treffen möchte, am besten aber sehr kurzfristig. Dann läuten schon die Glocken, da will jemand etwas von Dir und es eilt. Du stehst dann zwei Tage später vor ihnen und Sie klagen Dir ihr Leid. Was Du erfährst könnte schlimmer nicht sein. Wenn Du in wenigen Jahren sehr viel Geld verbrannt hast, Dir die Banken gewaltig auf den Füssen stehen und Dir die Mitarbeiter davon laufen, dann hast Du eine Menge Probleme.

Die Uhr steht nicht mehr vor zwölf, sondern schon ein paar Minuten danach. Es geht darum, Zeit zu gewinnen, um die größten Probleme zu lösen und die Grundlagen für eine geordnete Sanierung und Restrukturierung zu schaffen. Du würdest die Situation schnell beurteilen und in einigen Wochen die notwendigsten Dinge einleiten können. Bevor Du das machst, fragst Du Dich, ob es sich lohnt, ob man eine Chance hat das Lebenswerk einer Unternehmerfamilie und den letzten Rest des Familienvermögens zu retten und einen Käufer zu finden. Es wäre machbar, wenn das Unternehmen eine neue Führung bekäme. Weil im Managementteam kein Sanierer vorhanden ist, und weil man nicht mehr das uneingeschränkte Vertrauen der Finanzierer, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten hat, ist ein Wechsel nötig.

Die Baustelle ist riesengroß und Du verstehst, warum die Inhaber und die Geschäftsführung, so gealtert sind und wirken als wären sie Lord Waldemar begegnet. Du stellst Dir die Frage, ob man immer ehrlich sein muss, oder darf man verschweigen, was man wirklich denkt. Da sitzt jemand vor Dir, den Du kennst. Die ganze Unternehmerfamilien mit Ihrer Geschäftsführung hat über Jahre große Fehler gemacht, sie stehen im Feuer, haben an der Unternehmensspitze nie echte Managementfähigkeiten besessen und sind zu alt für den Job. Viele Jahre haben Sie Glück gehabt, jetzt sieht ihr Geschäft anders aus und ist zu komplex geworden. Du müsstest ihnen raten sofort aufzuhören.

Aus Mitgefühl schützt Du sie vor der harten Wahrheit. Du sagst ihnen nicht, dass sie das Unternehmen zu Grunde richten werden, und das Unternehmen in die Insolvenz geht, wenn sie weiter am Ruder bleiben oder überhaupt noch anwesend ist. Du sprichst nicht über Deine Erfahrung, dass wahrscheinlich einigen Mitarbeitern der Tag vermiest wird, wenn sie nur den Wagen des Patriarchen auf dem Parkplatz sehen. Du sagst ihnen nicht, dass die besten Mitarbeiter wegen ihnen gehen. Du sagst ihnen auch nicht, dass es das Beste wäre sich umgehend einen starken Partner zu besorgen oder komplett zu veräußern. Denn selbst wenn die Restrukturierung gelingt, fehlt das Geld für nachhaltiges Wachstum. Das sagst Du nicht. Du versuchst sie langsam an die notwendigen Entscheidungen heran zu führen, bis sie unausweichlich sind. Das kann Wochen dauern. Du weisst, dass die Inhaber zu manchen Dingen gezwungen werden müssten. Genau das ist das Problem.

Man verstrickt sich in Widersprüche. Einerseits will man helfen, andererseits schont man die Betroffenen, spricht nicht alles offen aus, dass es nichts wird, wenn es nicht richtig weh tut. In der Beratung kommt es aber darauf an, was am Ende als Ergebnis dasteht. Daran entscheidet sich, ob das Ganze, auch moralisch gesehen, insgesamt richtig war – wenn auch nicht in jeder Einzelheit. Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel, klar! Wenn man aber bei jedem einzelnen Schritt, den man tut, ein guter Mensch sein will, kommt man nicht zum Ziel.

Es geht um das Ergebnis und dabei zählen die Fakten mehr als Befindlichkeiten oder das Scheitern einer Person im Ansehen anderer. Irgendwann drängt die Zeit. Die Zahlen, die man Dir zugesichert hat, werden weit verfehlt. Du hast keine Wahl und stellst Bedingungen für die Fortführung der Unternehmenssanierung. Du kannst im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten einzelner Personen nehmen. Man erwartet von Dir Entscheidungen und die Umsetzung von Maßnahmen. Aber Deinen Auftraggebern geht es schon lange nicht mehr um das Unternehmen, sondern um Macht, Einfluss und Ansehen. Es ist dann mehr ein Spiel, als unternehmerisches Handeln. Sie können nicht loslassen und übernehmen wieder das Ruder. Das ist dann der Anfang vom Ende, die Insolvenz ist unausweichlich!

Du wirst enttäuscht sein, weil Du nicht helfen konntest. Viele Mitarbeiter haben auf Dich gebaut und werden sich Sorgen um die Zukunft machen. Im Rückblick wirst Du aber die Lehre daraus ziehen. Was gesagt und getan werden muss, gehört so früh und so konsequent wie nötig auf den Tisch. Es ist ein Dilemma, wenn die Auftraggeber das Problem sind. Aber Du kommst in Teufels Küche, wenn Du dieses Problem nicht von Anfang an in den Vordergrund stellst. Es macht keinen Sinn organisatorische Veränderungen anzugehen oder frisches Kapital zu besorgen, wenn die eigentlichen Probleme nicht gelöst sind.

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Situationen sind rein zufällig.