Unternehmer Harry B. aus Bielefeld - CRACY - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Unternehmer Harry B. aus Bielefeld – CRACY

Unternehmer Harry B. aus Bielefeld – CRACY

Unternehmer Harry B. aus Bielefeld – vielleicht ist es auch Wahnsinn, normal zu sein…!

Blogbeitrag von Susanne Habicht, 2018

Hier ist er wieder: Familienunternehmer Harry B. (63 Jahre) aus Bielefeld. Rein äußerlich eher unscheinbar, vom Schicksal nicht gerade mit vollem Haar und riesiger Statur gesegnet, aber eher der „Verbrenner“ als der Mops. Sprich vom Aussehen unauffällig bis unscheinbar. Dies kompensiert er aber wie bereits angesprochen durch sein extrem auffälliges Verhalten: Hoppla, jetzt komm ich – mit Volldampf durchs Leben!

Nur der frühe Vogel fängt den Wurm!
Einen Wecker, den braucht Harry nicht, seine innere Uhr signalisiert ihm jeden Morgen, wann es Zeit zum Aufstehen ist. Wie ein Stehaufmännchen verlässt er das Bett, absolviert die nötigen Dinge, frühstückt im Stehen und macht sich auf seine Reise in die Firma. Natürlich hat er den Anspruch zu den Ersten dort zu gehören, am liebsten würde er morgens und abends selber abschließen, um bloß nichts zu verpassen. Sehen und natürlich gesehen werden, das ist sein Motto. Hierbei entgeht ihm selbstverständlich regelmäßig die Tatsache, dass Mitarbeiter versuchen ihm aus dem Weg zu gehen oder heimlich ihr Gesicht verziehen, wenn ihnen das nicht gelingt.
Harry B. seinerseits gibt seinen Unmut kund, wenn die Mannschaft, wie er seine Mitarbeiter gern nennt, nicht kurz nach seinem 1. Kaffee in der Firma, zubereitet von Frau Hanne Biederstätt seiner Sekretärin und Vertrauten, das berühmte „Mädchen für alle beruflichen Belange“, erscheint.

Assistentinnen, nein Danke!
Den Begriff Assistentin lehnt Harry B. natürlich ab, der ist ihm zu innovativ und würde Frau Biederstätt eventuell mit Kompetenzen ausstatten, die ihm gar nicht zu sagen. Bloß niemanden in seinem Umfeld eigenverantwortlich arbeiten lassen! Während des Wartens auf seinen Mitarbeiterstab sichtet er die bereits von seiner Sekretärin vorgelegten Schriftstücke. Frau Biederstätt muss natürlich alle E-Mails, Anfragen etc. die die Firma online erreichen für den Chef ausdrucken. „Auf Computer stehe ich nicht. Brauche ich auch nicht“, so Harry B. Eventuell entgangene Möglichkeiten und Chancen für die Firma und die gesamte Arbeit dort negiert er schlichtweg. Das ist für ihn etwas für die Jugend. Insgeheim hält er es sogar für ein Stück Teuflisches, wagt das allerdings nicht auszusprechen!

Meetings für die höfischer Ehrerbietung
Jeden Morgen zur gleichen Stunde findet eine Teamleiterbesprechung statt, an der alle Mitarbeiter in verantwortlichen Positionen tunlichst teilzunehmen haben. Dieses Meeting, welch innovativer Begriff, läuft natürlich „old school“ mäßig ab: Jeder berichtet aus seinem Bereich, wird mehrfach von Harry B. unterbrochen, korrigiert, auf Dinge hingewiesen, geschulmeistert und von seinen eigenen Ideen überrollt und darf sich am Ende glücklich schätzen, wenn er ungeschoren davon kommt. Harry B. seinerseits spricht von Marktwirtschaft 4.0, von Digitalisierung und Change, lehnt dies aber insgeheim ab und lebt eher in der Erwartung von höfischer Ehrerbietung. Dabei bewegt der Chef sich ununterbrochen durch den Raum, böse Zungen behaupten er hüpft und springt ohne Unterlass ständig einem Herzklabaster nahe. Die Gesichtshaut nimmt eine dezente Röte an, im Extremfall wechselt die Röte in ein ausgeprägtes Lila! Frau Biederstätt führt klassisch Protokoll und kann nach 20 Jahren Zusammenarbeit mittlerweile dem Stil ihres Chefs standhalten.

Für einen neutralen Betrachter wirkt der Familienunternehmer Harry B. eher wie ein kleiner Mann mit einem Minderwertigkeitskomplex, das er durch ein gesteigertes Omnipotenzgefühl bis hin zum Größenwahnsinn ausgleichen will. Umgangssprachlich wird dies auch gerne „Kleinemännersyndrom genannt“ – ein Begriff, den ich persönlich liebe, weil er auf so viele männliche Strategen passt, die mir so im Alltag und Berufsleben begegnen!

Management für den Eimer
Weiter geht’s im Tagesgeschehen. Im Anschluss an das morgendliche Meeting hält er kurz Rücksprache mit seiner Sekretärin, um sich bestätigen zu lassen, wie gut er ist und dass alle Ideen natürlich in seinem Kopf gereift sind! Ein Wirrwarr, sprich Durcheinander im Kopf im positiven Sinne von 100 Gedanken, leugnet er kategorisch und hält sein Verhalten für angemessen. Nun werden Termine und Anfragen bearbeitet, bevor er sich auf den Weg in die Werkstätten, Büros und Montagehallen macht. Hier legt er regelmäßig Karachoauftritte hin, immer mit Volldampf durch das Leben. Weil er nicht anders kann und weil er hofft, die Mitarbeiter mitzureißen. Den Kopf steckt er niemals, bei keiner Widrigkeit, in den Sand: er ist der schlaue und durchtriebene Fuchs, ihm macht niemand etwas vor. Dabei ist er als Manager eher was für den Eimer!

Natürlich weiß er auch in den heiligen Hallen alles besser als seine Maschinen- und Apparatebauer, die lassen ihn gerne gewähren, da sie um die Eigenarten ihres Chefs wissen. Die meisten sind schon lange in seinem Unternemen und fühlen sich trotz der bevormundenden Fürsorge Ihres Chefs wohl in diesem Familienunternehmen. Vieles von dem was an seinem Führungsstil im Argen liegt sehen sie schon nicht mehr, man gewöhnt sich an alles. Sie erleben ihn als einen Chef, der sich um alles kümmert und in alles einmischt, aber auch nach dem Befinden und den Familien fragt. Für die Mitarbeiter ist er schnell, laut, durchsetzungsstark und scheinbar leichtfüssig, wie schwebend. Dass er aber eigentlich eher festklebend in alten Strukturen und Mustern agiert, erkennen sie nur bei längerem darüber nachdenken, oder wenn es besonders Dicke kommt.

Mittags fährt Harry B. natürlich zum warmen Essen an den heimischen Herd. Auch hier steckt er in altgediegenen Herrschaftsprinzipien fest: Kartoffeln, Fleisch, Gemüse, 1 Mal in der Woche Eintopf, freitags immer Fisch, frisch vom Markt. Nur keine Experimente: kein Computer, keine Pizza, kein Burger! Und das alles ganz pünktlich. Käffchen hinterher, Viertel Stündchen Pause und zurück an den Schreibtisch.

Einen Schritt vor – fünf zurück
Den Nachmittag widmete er wieder zahlreichen Besprechungen mit seinen engsten Mitarbeitern zu aktuellen oder auch längst abgearbeiteten Themen. Oftmals kramt er dann olle Karamellen hervor, Dinge, die erledigt sind, Entscheidungen, die getroffen sind werden nochmals durchgekaut und mit allen Für und Wider erneut diskutiert. Hier geht es in der Regel nur um seine Perspektive und seine persönlichen Ansichten. Die von den Mitarbeitern zwar verstanden und nachvollzogen werden können, aber immer eher den Blick auf das Althergebrachte, Konservative längst überholte Arbeitsweisen richten. Nach dem Motto:“Das war immer so“ – „Das haben wir stets so gemacht, was soll daran falsch sein?“ Aus Sicht der Mitarbeiter, die gerne neue und innovative und bessere Wege gehen möchten Vieles! Also stets einen Schritt vor und fünf zurück! Aber so ist er nun mal unser Harry B. aus Bielefeld. Hält sich für den Größten und Cleversten und merkt gar nicht, dass andere an ihm vorbei ziehen könnten, wenn er sie ließe. Aber das erlaubt seine Kombination aus Genie und Wahnsinnig nicht. Denn es ist eben kein Wahnsinn, normal zu sein!

So verbringt er seinen Tag mit viel Reden, Reden, Reden, Diskussionen und Verbesserungsvorschlägen. Keiner schafft es, ihn zu bremsen und in seiner Selbstverliebtheit zu stoppen. Abends schließt er quasi die Firma ab und ist richtig stolz auf sich!

Hauptsache er ist glücklich und zufrieden.