Die gute Seele im Familienunternehmen oder eher der Prellbock für andere? - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Die gute Seele im Familienunternehmen oder eher der Prellbock für andere?

Die gute Seele im Familienunternehmen oder eher der Prellbock für andere?

Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: “Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen“ –  ist das tatsächlich so oder ist es lediglich Wunschdenken der Frauen?

BINDEGLIED

Wie fühlen sich Frauen im Familienunternehmen als Bindeglied zwischen Ehemann und Patriarch sowie ihrer gemeinsamen im Unternehmen ebenfalls aktiv mitwirkenden Kinder? Fühlt sie sich in dieser Rolle nicht oftmals emotional auf eine Seite gezerrt? Konflikte zwischen Unternehmer und Nachfolger aus der Familie zwingen sie oftmals Stellung zu beziehen und sich zwischen Ehemann und Kind zu entscheiden! Wie schwer ist es für sie hier abzuwägen zwischen Vernunft und Gefühl. Ist es nicht so, dass Frauen in ihrer Rolle als Mutter instinktiv Partei für das Kind ergreifen?

Wie schwer ist es, neutral zu entscheiden und nur das Wohl des Unternehmens zu sehen? Egal wem sie ihre Stimme gibt, einen Menschen stößt sie stets vor den Kopf!

PRELLBOCK

Das müssen wir uns einmal vor Augen halten: In Konfliktsituationen ist sie gezwungen, sich einem Menschen aus ihrem unmittelbaren Umfeld entgegenzustellen! Ich denke, jeder weiß, was das emotional bedeutet! Denn hier wird sie zum sogenannten Prellbock – der Zurückgewiesene wird es sie spüren lassen!

Klar kann es auch sein, dass die Frau  nicht nur die mitarbeitende Familienangehörige ist, sondern doch auch aktiv und kreativ am Unternehmensprozess beteiligt ist. Fühlt sie sich gleichberechtigt und gleichwertig als starke Frau oder doch eher untergeordnet und unbeachtet? Egal an welcher Stelle sie steht, sie wird in jedem Fall ein persönliches inneres Ringen mit sich ausführen! Hier ist es wichtig, ob es der Frau gelingt die Rolle innerhalb der Familie und die Rolle im Unternehmen zusammenzubringen.

VORBILD

Ich denke für das Gelingen der Vereinbarkeit der zwei Rollen braucht es von Seiten der Frau eine eigene soziale Identität als Ehefrau und Mutter sowie Unternehmerin. Sie braucht gute soziale Verbindungen zum Ehemann, Kindern, Mitarbeiter und Kunden. Dies setzt voraus, dass sie wirklich ins Unternehmen eingebunden ist, dessen Funktion und Stellenwert kennt und beurteilen kann. Heute hat doch kaum noch eine Frau das Karriereziel „Mutter“ im Kopf – Traumjobs sehen anders aus!  Außerdem nimmt die Frau durchaus in jeder Rolle eine Vorbildfunktion für andere weibliche Familienmitglieder ein, die werden in jedem Fall immer darauf schauen, wie die Ehefrau und Mutter entscheidet bzw. wem sie Recht gibt.  Natürlich steht ihr bei der Erziehung der Kinder bereits die Aufgabe zu, diese auf deren Rolle als potenzielle Nachfolger vorzubereiten. Hier agiert sie auch eher im Hintergrund und trotzdem in einer extrem wichtigen Funktion. Gelingt ihr hier stets der Balanceakt zwischen Wohl des Kindes und Wohl der Firma? Sicherlich steht sie auch hier oftmals zwischen den „Parteien“ – Mann und Unternehmen sowie Kind! Sie muss es schaffen, emotional beide Seiten zu versorgen. Es muss ihr gelingen Druck herauszunehmen, d.h. die Firma darf nicht als zusätzliches Kind betrachtet werden, dass den realen Kindern vorgezogen wird und immer alles bekommt. Sie muss spüren und einschreiten, wenn sie merkt, dass das Kind mit der Pflicht und Verantwortung, sich der elterlichen Firma zu unterwerfen, nicht klar kommt. Sie muss abwägen und mit ihrem Partner klären, wie viel Zeit und Geld in die Firma oder andererseits in die Kinder geht. Für wen empfindet sie mehr Stolz, für die Firma oder für den Nachwuchs?

MEDIATORIN

Wie agiert sie in ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau, wenn das Managementverständnis von Patriarch/Vater und Nachfolger/Kind nicht miteinander vereinbar ist? Sie muss einschreiten, wenn sich das Kind am Vater abarbeitet, sie wird mit aller Macht das Scheitern ihres Kindes zu verhindern versuchen, hier wird sie eindeutig Position beziehen müssen, auch wenn sie einem Part vor den Kopf stößt. Andererseits muss sie ihrem Ehemann helfen, falls das eigene Kind dabei ist, den Vater und Unternehmensboss zu überholen. Hier muss sie mit viel Feingefühl ihrem Partner das Gefühl vermitteln, dass es an der Zeit ist, Loszulassen und neue Wege zu gehen.

In jedem Fall ist die Rolle als Vermittlerin zwischen Senior und Junior eine, die viel zwischenmenschliche und psychologische Fähigkeit bzw. Feingefühl voraussetzt. Die Frau muss sich dessen bewusst sein und mit viel Geduld und Kraft daran gehen, um sich selber nicht als Prellbock sondern als Mediatorin zu empfinden.