Braucht ein Unternehmen Wahnsinns-Typen, um erfolgreich zu sein? - DR. HABICHT | Unternehmensentwicklung
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Braucht ein Unternehmen Wahnsinns-Typen, um erfolgreich zu sein?

Braucht ein Unternehmen Wahnsinns-Typen, um erfolgreich zu sein?

Porträt eines ganz speziellen Typus!

Oder anders gefragt: Wie viel Wahnsinn in der Chefetage verträgt ein Unternehmen? Bringt Wahnsinn bis hin zu psychischen Auffälligkeit Besonderes hervor?
Aber können solche Typen mit eindeutig auffälligen Verhaltensweisen ein Erfolgsgarant sein oder werden sie eher zum Stolperstein für ein Unternehmen? Die Realität bestätigt, dass psychisch Auffällige schlichtweg häufig in Chefetagen von Unternehmen, Kulturvereinigungen und Politzentralen sitzen. Als Paradebeispiel für die Kombination von Genie und Wahnsinn gelten z. B. Mark Zuckerberg (Facebookgründer), Steve Jobs (Applechef) und Donald Trump, der sich im Originalton sogar als „Selbsterwähltes Genie“ betitelt – erfolgreich, dennoch auffällig und nicht unumstritten in ihrem Auftreten, Handlungen und Entscheidungen. Geliebt oder gehasst, schwarz oder weiß – hier geht in der Regel nur entweder oder, aber ihre Erfolge sprechen für sich und sind nicht anzuzweifeln!

Unternehmer Harry B. aus Bielefeld

Der Familienunternehmer Harry B., 63 Jahre, aus Bielefeld-Stieghorst, Maschinen- und Apparatebau, produziert Armaturen und handelt mit Produkten aus China, ca. 60 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist solide und sicher aufgestellt, befindet sich in 2. Generation in Hand der Familie B. In diesem Unternehmen wird die Nachfolge „automatisch“ geregelt, sprich männliche erstgeborene Nachkommen werden per Kronprinzenregel potentielle Nachfolger. So war es vor 30 Jahren bei Harry B. und so wird es eines Tages bei seinem Sohn Robert B. (36 Jahre) sein. Lässt man Harry B. gewähren, so spricht er in höchsten Tönen von sich und seinem Unternehmen, hält es für äußerst erfolgreich und weist darauf hin, dass er die Firma kurz vor der Insolvenz übernommen hat und diese zu einem Goldesel aufgebaut hat. Doch dabei sitzt oder steht er nicht ruhig und gelassen, sondern hüpft wie ein HB-Männchen aus der Werbung der 60-er Jahre (den älteren meiner Leser sicher gut bekannt) konfus auf und ab, gestikuliert mit den Armen, rauft sich die Haare und ergießt sich in einem Redeschwall, dessen Anfang am Ende nicht mehr ganz nachvollziehbar erscheint! Doch anders als das HB-Männchen der Zigarettenwerbung und Symbol des deutschen Wirtschaftswunders prägt er nicht den Spruch:“ Alles geht von selbst“, sondern „Alles mache ich selbst!“.

Das Recht immer im Recht zu sein!

Er stellt sich gerne als Selfmade-Männchen (Harry B.) dar, als Unternehmer mit besonderen Fähigkeiten, mit Begabungen und Talenten, die es ihm erlauben, sich in Alles und Jedes einzumischen. Keine Entscheidung wird ausgeführt ohne seinen Segen. Alle guten Ideen und Erneuerungen werden letztendlich als seine eigenen Gedanken und Vorschläge ausgegeben. Er dreht und wendet, er bewegt und agiert im Raum und in den Hallen wie ein schlauer Fuchs: stets zur Stelle, stets die Ohren aufgestellt und gespickt, stets auf der Hut, stets auf der Lauer!
Darauf angesprochen würde Harry B. diesen Vergleich mit dem Krafttier Fuchs gerne annehmen und die dem Tier zugewiesenen Eigenschaften wie Intelligenz, Schläue, Listigkeit und auch ein Stück Durchtriebenheit sein Eigen nennen! Er glaubt, alles im Sinne des Unternehmens und für seine Familie zu tun.

Das dies auf alle anderen in seinem Umfeld gerne wie bevormundende Fürsorge wirkt, dass andere sich beherrscht und unter Druck gesetzt fühlen, ist ihm, dem klugen Familientier, nicht klar. Er meint es doch nur gut, will für alle nur das Beste! Klar hat er super Ideen und Gedanken, klar hat er die Firma nach vorne gebracht und zu dem gemacht, was sie heute darstellt, aber warum kann er nicht aufhören es immer besser zu wissen und zu machen? Ist er so genial, dass es legitim ist, immer den Rotstift zu nehmen und Fehler anderer zu korrigieren? Ist er so genial, dass er sich zwar ab und an selber in Frage stellen will, aber es in seinem Wahn gar nicht kann? Ist er so genial, dass er sich das Recht herausnimmt, immer im Recht zu sein? – Oder ist die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn überschritten, wenn man ihn wie einen Häuptling um den Marterpfahl tanzen sieht, immer um Bewunderung und Anerkennung heischend?

Genie und Wahnsinn – eine erfolgsversprechende Kombination?

Was hat Harry B.eigentlich geleistet, um sich derart auffällig zu benehmen und sich selbst als Genie zu betrachten? Wo nimmt er die Selbstherrlichkeit her, sich am Abgrund eines solchen Agierens zu benehmen? Ist er ein Beispiel dafür, dass zwischen Genie und Wahnsinn ein schmaler Weg liegt? Oder ist es nur mangelnde Empathie, die ihn in den Augen anderer als Genie und idealen Lenker und Denker, risikofreudigen Entscheider und gehassten, aber dennoch liebevollen Chaoten erscheinen lässt? Ist die Genialität des Harry B. in Wirklichkeit nur Eigensinn und ein Stück Eigenverliebtheit? Natürlich ist er kein Mark Zuckerberg, natürlich hat er nichts getan, dass ihn nur annähernd mit Steve Jobs in Vergleich bringen kann, aber ist er nicht für sein Unternehmen genial, ist er nicht in seinem Unternehmen der Wahnsinne am Rande der Genialität? Oder wird er sich selbst irgendwann ins Abseits schießen oder gar ins Aus? Schon heute ist er ein Einzelkämpfer, unumstritten erfolgreich, in den Augen der Mitarbeiter und der Familie kreativ, aber hier die kritische Frage: Wird sein Sohn Robert es eines Tages genauso machen? Die Antwort lautet: Nein! Denn er leidet genauso wie alle anderen Beteiligten unter dem Führungs- und Arbeitsstil von Harry B., weil auf diese Weise viel Freude an der Arbeit verbunden mit Kreativität und Eigenverantwortung verloren geht. Wenn einer sowieso immer alles besser weiß, weshalb sollen sich die anderen dann noch anstrengen oder Verantwortung übernehmen.

Jede Mission geht einmal zu Ende!

Das heißt im Umkehrschluss, die Folgen für das Familienunternehmen des Harry B. aus Bielefeld-Stieghorst werden sich negativ auswirken. Er nimmt seinem Unternehmen durchaus ein großes Stück der innovativen Zukunft. Stillstand oder gar Rückschritt sind absehbar, denn auch Wahnsinns-Typen können nicht allein agieren, sondern müssen die fähigen und verantwortungsbereiten Menschen an ihrer Seite in die Führung einbinden und ihre Genialität mit ihnen teilen, nicht überstülpen. Jede Generation hat ihre Mission, die einmal zu Ende geht. Jede Zeit hat ihre Typen!